Plätzchentour beim PSV
-Entschleunigung am wohl stressreichsten Tag des Jahres
Wer beim PSV den Weihnachtstag mit seinen Vereinskameraden beginnt, geht ganz anders in den sogenannten Heiligen Abend. Da stehen als erstes nicht die Vorbereitungen des Tages mit Mittagessen kochen, mit Kaffee trinken vorbereiten, mit irgendwelchen Besuchen abstatten oder Geschenke packen im Vordergrund. Denn das was heute für Viele als ganz wichtig erscheint, ist eigentlich alles Nebensache. Wer mit auf unsere Plätzchentour geht oder vielleicht mit beim Weihnachtsklettern ist, hat sich den 24. Dezember schon ganz anders vorgeplant. Da liegt schon eine ganz andere Struktur in der Luft. Da müssen schon ein paar Tätigkeiten ausgeklammert werden, weil der Vormittag schon mal in der Gemeinschaft vergeht. Da kann man noch ein paar schöne Gespräche führen. Oder wir treffen Vereinskameraden, die sonst monatelang unterwegs sind. Da kann ich einfach von den ganzen Nebensächlichkeiten, die mich sonst so gefesselt halten, loslassen, wenn ich will. Ich kann mich bei einer kleinen Wanderung auf die Weihnacht einstimmen, die nach wie vor für viele Menschen auf der Welt ein tiefes Ritual bedeutet. Weihnachten und Heilig Abend ist für die Menschheit schon was ganz Besonderes. Für die Einen ist es Gemeinschaft und etwas Geheimnisvolles, was mit einer seltsamen Geburt zusammenhängt. Für Andere ist es einfach unbewusster Familienstress. Denn da muss ja alles fertig sein. Da muss alles im Leben hergerichtet sein. Da muss alles perfekt sein. Da müssen alle Geschenke bereitstehen und, und, und. Und wenn man glaubt, dass alles erfüllt zu haben, dann ist für viele in der heutigen Zeit Weihnachten. Doch damit liegst Du eben total neben der Spur. Denn Weihnachten ist ein geschenkter Tag, wie jeder andere im Jahr. Nur eben mit einer ganz besonderen Bedeutung, mit der sich aber nur noch sehr Wenige auseinandersetzen. Sonst muss an diesem Tag gar nichts perfekt sein. Denn als Jesus bei seiner Geburt in die Krippe gelegt wurde, war gar nichts perfekt um ihn herum. Nur er und eben genau diese Begebenheit waren perfekt.
So war es auch wieder bei uns. Wir waren 35 PSV ler zusammen, die gemeinsam Richtung Johannisstein zogen. Denn dort gehen dann in jedem Jahr, kurz vor Mittag, unsere beiden Weihnachtssterne am Himmel an. Aber vorher kehren wir in unserer kleinen Hexenhütte ein. Bei heißem Kinderpunsch, Kaffee, Glühwein oder Tee werden dann die zahlreichen Plätzchen, die Jeder mitgebracht hat, verkostet und vertauscht. Manche Plätzchen sind allerdings so lecker, dass sie nur die Verkostung überstehen. Es wird erzählt, gesungen und gereimt. Paul und Elisabeth begleiteten uns Sänger kräftig mit ihren Posaunen. Da kommt es auch gar nicht so darauf an, dass jeder Ton getroffen wird. Charlie bot uns ein Gedicht vom Feinsten. Mit ihren fünf Jahren und noch nicht lesen können, bot sie uns vier Strophen mit dem Gedicht „Weihnachten“ von Joseph von Eichendorff. Ja, das war ganz stark. Da können sich viele eine Scheibe abschneiden. Jonathan legte gleich nach mit dem kompletten Gedicht von Theodor Storm „Knecht Ruprecht“. Damit war die Messlatte verdammt weit hoch gelegt. Franz und Charlotte zogen ganz sicher wieder nach. Und Anni, Kalle, Jacob, Jonathan und Jonas setzten noch einen drauf. Dann hatte Heini noch ein paar Fragen über das eigentliche Weihnachtsfest. Wobei der Schwerpunkt in diesem Jahr bei den „Drei Königen“ lag, die ja gar keine Könige waren. Immer daran denken. Man sollte niemals den Ursprung aus den Augen verlieren. Und damit war unsere gemeinsame Zeit schon wieder vorüber. Wir sammelten uns, wünschten uns allen ein friedvolles Weihnachten und strömten, wie in jedem Jahr, in alle Himmelsrichtungen auseinander. Denn der Weihnachtstag hält ja für Jeden noch einige Überraschungen parat.
Nun kann langsam Weihnachtsstimmung/ Weihnachtsfrieden in uns einkehren. Aber auch das muss man zulassen.
„Vom Himmel in die tiefsten Klüfte ein milder Stern hernieder lacht, vom Tannenwalde steigen Düfte und hauchen durch die Winterlüfte und kerzenhelle wird die Nacht.
Mir ist das Herz so froh erschrocken, das ist die liebe Weihnachtszeit! Ich höre fernher Kirchenglocken mich lieblich heimatlich verlocken in märchenstille Herrlichkeit.
Ein frommer Zauber hält mich wieder, anbetend, staunend, muss ich stehn. Es sinkt auf meine Augenlieder ein güldner Kindertraum hernieder. Ich fühl’s, ein Wunder ist geschehen“
Theodor Storm
V.H. Dezember, 2025